Sie lieben Bier? Dann kennen Sie Bamberg. Falls nicht, dann erfahren Sie hier, warum Sie das nachholen sollten. Wir sind eine kleine Gruppe von Bierenthusiasten mit Bezug zur Stadt, die sich zum Ziel gesetzt hat der Welt Lust auf unser Bier zu machen, über seine Geschichte zu informieren, über Höhe-, aber auch Tiefpunkte. Und das möchten wir mit einem Dokumentarfilm über die Bamberger Bierkultur und dieser Webseite tun. Sie erfahren Details zur Entstehung des Filmes, seiner technischen und gestalterischen Umsetzung und natürlich vieles über die Vielseitigkeit des Brauereiwesens in Bamberg, auch abseits des Filmprojektes.
Bericht in den Nürnberger Nachrichten
Verfasst von Sebastian Zwack am 10. Mai 2012 - 17:48
Die Nürnberger Nachrichten haben einen Beitrag über unseren Dokumentarfilm gebracht.
Und wieder Stirbt ein Kulturgut, ...
Verfasst von Jörg Hoffmann am 20. April 2012 - 8:59
... und Scheßlitz wird ein Stück ärmer. Die Brauerei Barth-Senger schließt ihre Tore, für immer.
Was 1854 begann endet im April oder Mai 2012. Nach 158 Jahren liegt nun der letzte Sud im Lagertank. Nach den Brauereien Neeb in Oberschleichach, Thein in Lembach, Bräutigam in Weisbrunn, Hümmer in Breitengüßbach, und Sippel in Baunach ist nun wieder ein Stück Biergeschichte für immer verloren. Die von mir aufgezählten Brauerein betreffen nur mein unmittelbares Umfeld um Bamberg, und dem angrenzenden Unterfranken. In ganz Franken sind es weitaus mehr, die in den letzten drei Jahre schließen mussten.
Traurig ist die Gewissheit, diese allesamt exotischen Biere nie wieder trinken zu können. Was aber noch viel schlimmer anmutet, ist die allgemeine Entwicklung. Soll es unseren Kindern und Kindeskindern so gehen wie es Aktuell etwa in Kulmbach ist? Müssen sie wirklich auf die jetzt noch so breite Vielfalt verzichten, und ein „Heimlich“ vor ihre einstmals Brauereikulturell erquickende Gegend setzen? Ich hoffe nicht und bin traurig.
I like bierfilm.de
Verfasst von Lisa Luginger am 19. April 2012 - 11:09
Kürzlich war das bierfilm.de Team im Fässla. Der Zigarettenautomat im Hof ist ja bereits bekannt für den ein oder anderen netten Aufkleber, doch diesmal, wie wir fanden, zierten zwei besonders schöne Exemplare den Kasten: Zum einen unser bierfilm.de Sticker - und darunter ein "I like" Aufkleber. Da können wir nur sagen: Freut uns und "WE LIKE"!
Bier des Monats März- Kemmerner Kuckucks Kunst
Verfasst von Jörg Hoffmann am 12. April 2012 - 9:37
Kuckuck ruft’s aus dem Wald... so war's vielleicht früher, heute rufen eher die durstigen Gesellen vom Stammtisch diesen Namen. Was diese damit meinen, ist schnell klar: der schönste Kuckuck kommt aus Kemmern und heißt mit dem zweiten Namen Wagner.
Vergesst alles, was ihr bis dato über diesen üblen Vogel gehört habt, ich verspreche euch, dieser Kuckuck legt keine Flasche in einen fremden Kasten, um dort unter falschen Namen aufzuwachsen. Das würde dann doch eher zum Alt Bamberger Bier passen, dass ja immer noch seine wahre Herkunft verweigert.
Die Brauerei Wagner aus Kemmern macht ein Rauchbier, dass sich gewaschen hat. Nach den bekannten Größen Schlenkerla und Spezial ist das Wagner Rauch eine ernst zu nehmende geschmackliche Konkurrenz aus dem Umland.
Übers Rauchbier als Bamberger Spezialität wurde schon viel geschrieben. Das Unsinnigste für mich ist allerdings die Tatsache, dass das ein oder andere erst nach dem dritten Seidla schmecken soll. Auf einen geräucherten Bauernschinken übertragen würde dies heißen, dass die letzte von drei Scheiben klasse mundet, während die erste kaum essbar ist. Fraglich oder?
Rauchbier ohne Bamberg, dass wäre wie Alt ohne Düsseldorf oder Berliner Weiße ohne Berlin. Und da Kemmern nur einige Kilometer vom domstädtischen Stadtkern weg liegt, passt dieses Bier eben auch fürs schöne Umland.
Bei der Brau Beviale in Nürnberg 2011 war ich kurz verwundert, dass eine dänische Brauerei das Zeug dazu hat, ein Rauchbier zu brauen, das bei selbiger Veranstaltung in der Kategorie Rauch mit Gold gekürt wurde. Zwei Stunden später konnte ich das Geheimnis lüften: Der Brauer, der für diesen Sud verantwortlich war, hatte einst beim Spezial von der Picke auf die wahre Kunst des Rauchbierbrauens gelernt. Ich musste schmunzeln und war zufrieden.
Ich verzichte heute auf ausführliche sensorische Beschreibungen. Stattdessen möchte ich von euch wissen, wie euch dieses Rauchbier schmeckt. Und: Wie würdet IHR es beschreiben? Was sind die Eigenarten, was macht es besonders?
Ich freue mich auf eure Meinung, euer Jörg.
Bier des Monats Februar - Wunderbares Wiesent Wasser
Verfasst von Jörg Hoffmann am 18. Februar 2012 - 21:43
Wir schreiben einen Tag vor fünfzehn Jahren und an diesem Tag hatte ich keine Zeit. Ich musste unbedingt von Würgau nach Hollfeld unter zehn Minuten fahren, so eilig hatte ich es. Kein Wunder, dass ich diesen herrlichen Geruch des Bieres an der Quelle der Wiesent nie für mich entdecken konnte, ich war zu sehr fixiert auf den Geruch des Verbrennenden Zweitaktöls des Vorrausfahrerenden.
Mittlerweile habe ich mein Verhalten geändert, ich lasse mir jetzt 60 Minuten Zeit, bleibe stehen, und trinke beim Otto ein Bier.
Das Hübner Bier ist bekannt. Es besticht durch seine Einfachheit, es eckt nicht an und ist für meine Freunde DAS Sommerbier. Mir schmeckt es gut, wenngleich mir manchmal eine gewisse Eigenheit fehlt, ein bisschen mehr Körper, einen Tick mehr eines guten Hopfens ala Spalter Select oder ähnlichem. Was allerdings kaum zu übertreffen scheint, ist diese unbeschreibliche Weichheit, dieses Runde, was einem beim Genuss über die Zunge läuft. Das Brauwasser der Wiesent-Quelle trägt sicher hier seinen Teil dazu bei.
Im Dezember 2010 hab ich dann im Getränkemarkt den Hübner Bock entdeckt, meines Wissens gibt es diesen erst seit wenigen Jahren, ich war gespannt.
Mit 6,7 % Alkohol dürfte die Stammwürze um die 16,5 liegen. Neben dem Bock gibt es fast zeitgleich ein Staafelder Christkindla, welches quasi in der Mitte, zwischen Vollbier und Bock angesiedelt ist. Ein klassisches Festbier eben. Der Helle Bock, eine Mischung zwischen Gold und Kupfer in der Farbe. Hochvergoren mit mittlerer Restsüße, besitzt er wesendlich mehr Körper als das Vollbier, was natürlich in der Natur der Sache eines Bockes liegt. Was andere Böcke oft zu mastig macht, nähert sich hier dem Ideal meines Geschmackes. Genau diese Einfachheit des „Normalen“ klingt sich hier aus und wird zu was Besonderem. Ob das der Geschmack nach Getreide ist, oder die extra Portion Hopfen, es endet in einer untergärigen Sinfonie: Das San Pelegrino der Biertrinkenden Bürger Frankens. Herzhaft und mild, würzig und weich, ein hin und her, noch schöner als die B22 zwischen Würgau und Hollfeld.
Bier des Monats Januar - Das Wunder von Schäatz
Verfasst von Jörg Hoffmann am 18. Februar 2012 - 21:32
Obergärig, Weizenmalz und hohe Stammwürze plus Flaschengärung: Richtig, es ist ein Weizenbock. Und was für einer. Dieser Biertyp ist mir schon immer sehr am „Magen“ gelegen, steht ihm das Plus an Stammwürze fast noch besser, als den Herren der untergärigen Fraktion.
Wonach ein Bier alles schmecken kann? Hier wird es besonders deutlich. Beim Öffnen der Flasche kommt eine leichte Prise Aromahopfen, kurz danach riecht es wunderbar nach süßen Früchten und Hefe. Ich hab selten so intensiv und angenehm an einem Bier gerochen. Es duftet wie der Hals der Lieblingsfrau, für alle die, die noch nicht in den Genuss des Schäatzer Weizenbocks gekommen sind. Vorausgesetzt das Glas wurde richtig gespült, bleibt der feinporige Schaum lange stehen. Es bilden sich kleine Schauminseln die auf die Eroberung des Gaumens warten.
Bernstein-hefetrübe Farbe, der man die Süffigkeit ohne Zweifel schon ansieht. Im Antrunk macht sich ein angenehmes Prickeln im Mund breit, ohne ein Zuviel an Kohlensäure. Als nächstes kommt eine Bombe aus Aromen, welche ich nur schwer beschreiben kann. Mutmaßungen wären sicher falsch, nur soviel: Es gibt eine Süße, die nach reifen Beeren schmeckt, leichter Nelken-Geschmack und eine Säure, die sich nicht in den Vordergrund drängt, wie bei so vielen anderen Weizen-Bieren. Dieser Bock ist derart ausgewogen, und geschmackvoll, dass es an ein Wunder grenzt, ihn aus überhaupt nur vier Rohstoffen herzustellen zu können.
Ich bin beeindruckt, und zwar so sehr, dass ich immer wieder in meinen Lieblingsgetränkemarkt Aquatron fahre, um dort die nur wenigen verfügbaren Kästen aufzukaufen, um sie anschließend an Freunde zu verteilen. Geben ist seeliger, als Nehmen, letztlich bleibt aber immerhin die Hälfte der gekauften Vorräte für mich. Der Sepper klebt zwar ab und dann die Etiketten falsch auf die Flasche. Das, was sich allerdings darin befindet, ist ohne Zweifel höchste Braukunst. Gerade in Franken, wo sich doch stark die untergärigen Biere behaupten, ist richtig gutes Weizen eher rar. Dieses Weizen ist nicht nur gut, sondern das Beste, das ich jemals getrunken habe. Ich ziehe meinen Hut und sage Danke an die drei Kronen nach Schäätz.
Weißwurst - just in time
Verfasst von Jörg Hoffmann am 19. Januar 2012 - 11:01
So, heut passierts ich verlasse meine geliebte Heimat Franken. Freut euch nicht zu früh, es geht dabei nicht um mich, vielmehr um einen Beitrag über die Frühschoppen-Kultur in Schwaben - genauer in Baindlkirch.
Baindlkirch liegt im östlichen Landkreis Aichach-Friedberg, ganz grob zwischen Augsburg und Fürstenfeldbruck. Ein heimischer Metzger hatte vor über 30 Jahren die Idee, Weißwürste aus der Wurstküche heraus zu verkaufen, also direkt aus dem Kessel. Und da Weißwurstesser dem Weißbier meist sehr nahe stehen, ist im Lauf der Zeit ein Frühschoppen um die Wurstküche gewachsen. Und was für einer.
Um 8 Uhr geht’s los, der Metzger ist startklar am Kutter, neben dem Fleisch und den verschiedenen Gewürzen steht eine große Schüssel frische Petersilie. Die Tür geht auf und die ersten hungrigen Besucher betreten die Halle. Die Messer im Kutter laufen an, das Brät für die Weißwurst läuft anschließend durch die Spritze, kaum im Darm ab in den Kessel. Drei Mann ein Wort: WEIßWURST. Immer wieder läuft an diesem morgen dieser Vorgang ab, denn das ist laut
Mitarbeiter Stefan Staffler das Wichtigste: Absolute Frische. Seine Philosophie ist es, die Würste erst gar nicht kalt werden zu lassen, um sie dann anschließend wieder aufzuwärmen.
Nebenan werden mittlerweile die Flaschen geöffnet, es gibt alles Mögliche der 18 Kilometer entfernten Maisacher Brauerei, seit 450 Jahren wird dort am Rande zu Schwaben schon Bier gebraut. Dazu gesellt sich das weltbekannte Franziskaner Weißbier aus München.
Auf den Bierbänken um die Wurstküche startet derweil der Wahnsinn. Das Publikum: Vom Kleinkind, das sich die kleingeschnittene Weißwurst mit den Fingern in den Mund schiebt, über Forstarbeiter und Bankmanager beim zweiten Frühstück bis hin zum 90-Jährigen, der die Wurst auszuzelt. Auch der bekannte Volksschauspieler Maxl Graf soll zu Lebzeiten regelmäßig da gewesen sein.
An der Tür zur Wurstküche stehen die Gäste an, dort gibt es die heiße Ware, in kleinen Silberschüsseln bekommt jeder Gast recht schnell die gewünschte Anzahl an Würstchen, und zwar in heißem Wasser, direkt aus dem Kessel. So, und jetzt kommts: In der Zeit von 8 Uhr bis 12.30 Uhr werden an einem Tag bis zu 8000 Weißwürste konsumiert. Ich hab sie probiert und kann das verstehen: Schweine-lecker! Mein Fazit nach zwei Würsten und zwei Weizen: Am Bier gibt es was zu verbessern, an allem anderen nicht. Absolut geniale und einfache Idee. Ein paar Weiße mit Senf und Breze sind für 1,60 zu haben. Mit sichtbarem Herkunftsnachweis, schließlich kann man mit dem Humpen in der Hand bei der Produktion zusehen. JUST IN TIME in Vollendung, so solls sein.
Bier des Monats Dezember
Verfasst von Jörg Hoffmann am 8. Januar 2012 - 9:27
Eine große Menge an Pilsener Malz mischt sich mit dem heimischen Brauwasser, dazu kommen einige „Spezialmalze“ von Weyermann. Holledauer Tradition in insgesamt drei Gaben zum Würzekochen. Die Hefe kommt aus Reckendorf von der Schlossbrauerei. Eine Woche offene Hauptgärung, Nachgärung im Tank sechs Wochen. Die Stammwürze liegt bei 17,3 und der Alkoholgehalt dürfte bei ca. 7,5 liegen.
Es ist ein Bock geworden, und was für einer, der Bock des Brauvereins Unfinden.
Der erste Sud kochte vor ziemlich genau vier Jahren in den alten Gemäuern vor sich hin. Kaum zu glauben in so kurzer Zeit ein so exzellentes Bier zu brauen. Dazu von einer Gruppe, die allesamt gar keine Brauer sind, und die das Brauen nebenher erlernten. Mit welcher Genauigkeit und Hingabe, das ist allerdings bemerkenswert. Schön, was durch Begeisterung alles passieren kann.
Am 3.12. war der Bockbieranstich im Kommunbrauhaus in Unfinden. Meine Erwartungen waren hoch, ich wusste, dass der „Brauverein“ ein leckeres bernsteinfarbenes Vollbier braut, da ich zwei Wochen vorher beim Vorstand kurzerhand vom Kaffee zu eben diesem Bier umschwenkte. Aber nun zum Bock, ich versuche mich zu erinnern: Im Antrunk war er weich, mit schön cremigen Schaum. Ein malziger Körper, der aber nicht wie bei vielen anderen zu „klebrig“ oder „mastig“ wirkt . Bewusst hochvergoren, mit sehr wenig Restsüße für 17,3 % Stammwürze. Es sperrt sich nichts, und wenn dann der Krug endlich vom Mund weg war, musste ich feststellen, dass nach dem ersten Schluck schon fast der Boden vom Krug zu sehen war. Eine leichte Spur von Aroma-Hopfen verbreitet sich im Mund.
Es gibt hopfenbetontere Böcke, es gibt auch jene mit mehr Malzaroma im Geschmack, doch was dieses Bier ausmacht, ist die Ausgewogenheit der Geschmäcker - wie eine feingewuchtete Kurbelwelle läuft das braune Gold die Kehle hinunter, ohne Drehzahlloch von eins bis acht. Man ist niemals überfordert mit der doch üppigen Leistung und kann so noch viele Kilometer zusammen erleben.
Aus einer alten Festschrift ist zu entnehmen: „Gegenwärtig ist auch die Inflationszeit in der man für 500 Mark ein Ei, und für 1700 Mark ein Bier in Unfinden bekommt.“ Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorüber, heute bezahlt man beim Bockbieranstich gerade mal zwei Euro für 0,5 Liter.
Eines ist jedoch gleich geblieben, so war Unfinden beispielsweise in allen Kriegen bei Feinden schon immer sehr beliebt, wussten diese doch, dass die örtlichen Keller immer reichlich mit Wein und Bier gefüllt waren. Heute kommen die Menschen in freundschaftlicher Absicht nach Üfld, und das merkt man dem ganzen Umfeld an. Es wird gern gefeiert und viel gelacht. Das ist wunderbar.
Mehr infos auf www.brauhaus-unfinden.de
Bamberger Bierhistorie: „Wo der beste Hopfen wächst, gibt’s nicht das beste Bier“
Verfasst von Lisa Luginger am 21. Dezember 2011 - 10:59
Passend zu unserem Bier des Monats Oktober wirds auch in unserer Bierhistorie diesmal a weng hopfig: Wir gehen zurück ins Jahr 1839, in dem der Kaiser von China verbietet, Opium in sein Land zu importieren und damit den Ersten Opiumkrieg heraufbeschwört. Wir gehen zurück in das Jahr in dem erstmals der Gebrauch von OK als Abkürzung für oll korrect in der Zeitung Boston Morning Post dokumentiert wird. Und wir gehen zurück in das Jahr, in dem in Augsburg „Die landwirthschaftliche Zeitung als allgemeines Korrespondentenblatt von und für Deutschland“ veröffentlicht wird.
Deren Heraugeber ist Jakob Ernst von Reider, Zoologe, Botaniker und Gutsbesitzer aus Nedersdorf bei Staffelstein, ein Bamberg-Liebhaber und „praktischer Ökonom vieler gelehrten Gesellschaften Mitgliede“, wie er sich selbst beschreibt. Gleich zu Beginn seiner ersten Jahresausgabe beschäftigt er sich mit Hopfen, genauer gesagt „einigen neuen wichtigen Erfahrungen im Hopfenbaue“. Und da gibt er zu aller erst einmal an den Leser weiter: „Das Resultat des Hopfenmarktes in München im verflossenen Jahre hat meine Behauptung bestätigt, dass unser Hopfen ebenso gut ist, als der Böhmische.“ Reider ist nach seinen Nachforschungen sicher: Überall wächst der allerbeste Hopfen, aber nicht überall gibt es das allerbeste Bier. Eine Meinung, die nicht jeder vertritt. Denn Bamberger Hopfen wurde zu dieser Zeit oftmals als minderwertig angesehen. Doch der Gutsbesitzer blieb dabei. Nur schade, dass über seinen folgenden kleinen Hopfen-Versuch nicht mehr dokumentiert ist, als dass er schreibt: „Wir hatten Bamberger Bier mit Böhmer, Spalter und Bamberger Hopfen jedes Mal unter ganz gleichen Verhältnissen gebraut, und beinahe war das mit Bamberger Hopfen gebraute Bier das Beste!“ Was das beinahe bedeutet, muss wohl unserer Phantasie überlassen werden. Doch Bamberg, das sei sicher, beschäftigte den Gutsbesitzer wohl des Öfteren.
Allein auf 21 Seiten in 52 Ausgaben widmete er sich der Stadt an der Regnitz. Mal ging es um Süßholz, mal um rote Rüben, aber immer wieder um den Hopfen und das Bier. So auch in der Ausgabe 44, vom Dienstag, den 29. Oktober. Im Wortlaut: „Die meisten Bamberger Biere haben den Fehler, dass sie zu wenig Hopfen bekommen, daher sind diese Bier im September schon schal und werden bald sauer. Auch das Auffüllen mit dem Hansla (Heinslein, das Nachbier, Anm. d. Red.) veranlasst dieses baldige Sauer- und Schalwerden des Bieres. (...) Allein das Publikum in Bamberg hält fest an seinem Hansla, mit Bier zur Hälfte versetzt, gibt es den berühmten Pflumpf, die Maaß zu einem Groschen, der Labetrunk der arbeitenden Klasse in Bamberg. Man behauptet nämlich, dass das gute Bier zu viel Hitze errege, man dabei zu sehr schwitzen würde, wenn man es bei der Arbeit trinken würde. Dagegen kühle der Pflumpf und sättige doch dabei.“
Ob Jakob Ernst von Reider das nur vom Hörensagen weitergegeben bekommen hat? Es scheint jedenfalls, der Gutsbesitzer, der selbst eine Zeit lang Hopfen angebaut hat, hat sich Bamberg und seinem Bier genauso gern gewidmet, wie wir es heute tun. Dass die Domstadt im späten 19. Jahrhundert für einige Jahre zu einem der bedeutendsten Hopfen-Handelsplätze wurde, konnte Reider allerdings nicht mehr miterleben. Gefallen hätte ihm, dem Hopfen-Narr, das sicherlich...
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