Sie lieben Bier? Dann kennen Sie Bamberg. Falls nicht, dann erfahren Sie hier, warum Sie das nachholen sollten. Wir sind eine kleine Gruppe von Bierenthusiasten mit Bezug zur Stadt, die sich zum Ziel gesetzt hat der Welt Lust auf unser Bier zu machen, über seine Geschichte zu informieren, über Höhe-, aber auch Tiefpunkte. Und das möchten wir mit einem Dokumentarfilm über die Bamberger Bierkultur und dieser Webseite tun. Sie erfahren Details zur Entstehung des Filmes, seiner technischen und gestalterischen Umsetzung und natürlich vieles über die Vielseitigkeit des Brauereiwesens in Bamberg, auch abseits des Filmprojektes.
Weißwurst - just in time
Verfasst von Jörg Hoffmann am 19. Januar 2012 - 11:01
So, heut passierts ich verlasse meine geliebte Heimat Franken. Freut euch nicht zu früh, es geht dabei nicht um mich, vielmehr um einen Beitrag über die Frühschoppen-Kultur in Schwaben - genauer in Baindlkirch.
Baindlkirch liegt im östlichen Landkreis Aichach-Friedberg, ganz grob zwischen Augsburg und Fürstenfeldbruck. Ein heimischer Metzger hatte vor über 30 Jahren die Idee, Weißwürste aus der Wurstküche heraus zu verkaufen, also direkt aus dem Kessel. Und da Weißwurstesser dem Weißbier meist sehr nahe stehen, ist im Lauf der Zeit ein Frühschoppen um die Wurstküche gewachsen. Und was für einer.
Um 8 Uhr geht’s los, der Metzger ist startklar am Kutter, neben dem Fleisch und den verschiedenen Gewürzen steht eine große Schüssel frische Petersilie. Die Tür geht auf und die ersten hungrigen Besucher betreten die Halle. Die Messer im Kutter laufen an, das Brät für die Weißwurst läuft anschließend durch die Spritze, kaum im Darm ab in den Kessel. Drei Mann ein Wort: WEIßWURST. Immer wieder läuft an diesem morgen dieser Vorgang ab, denn das ist laut
Mitarbeiter Stefan Staffler das Wichtigste: Absolute Frische. Seine Philosophie ist es, die Würste erst gar nicht kalt werden zu lassen, um sie dann anschließend wieder aufzuwärmen.
Nebenan werden mittlerweile die Flaschen geöffnet, es gibt alles Mögliche der 18 Kilometer entfernten Maisacher Brauerei, seit 450 Jahren wird dort am Rande zu Schwaben schon Bier gebraut. Dazu gesellt sich das weltbekannte Franziskaner Weißbier aus München.
Auf den Bierbänken um die Wurstküche startet derweil der Wahnsinn. Das Publikum: Vom Kleinkind, das sich die kleingeschnittene Weißwurst mit den Fingern in den Mund schiebt, über Forstarbeiter und Bankmanager beim zweiten Frühstück bis hin zum 90-Jährigen, der die Wurst auszuzelt. Auch der bekannte Volksschauspieler Maxl Graf soll zu Lebzeiten regelmäßig da gewesen sein.
An der Tür zur Wurstküche stehen die Gäste an, dort gibt es die heiße Ware, in kleinen Silberschüsseln bekommt jeder Gast recht schnell die gewünschte Anzahl an Würstchen, und zwar in heißem Wasser, direkt aus dem Kessel. So, und jetzt kommts: In der Zeit von 8 Uhr bis 12.30 Uhr werden an einem Tag bis zu 8000 Weißwürste konsumiert. Ich hab sie probiert und kann das verstehen: Schweine-lecker! Mein Fazit nach zwei Würsten und zwei Weizen: Am Bier gibt es was zu verbessern, an allem anderen nicht. Absolut geniale und einfache Idee. Ein paar Weiße mit Senf und Breze sind für 1,60 zu haben. Mit sichtbarem Herkunftsnachweis, schließlich kann man mit dem Humpen in der Hand bei der Produktion zusehen. JUST IN TIME in Vollendung, so solls sein.
Bier des Monats Dezember
Verfasst von Jörg Hoffmann am 8. Januar 2012 - 9:27
Eine große Menge an Pilsener Malz mischt sich mit dem heimischen Brauwasser, dazu kommen einige „Spezialmalze“ von Weyermann. Holledauer Tradition in insgesamt drei Gaben zum Würzekochen. Die Hefe kommt aus Reckendorf von der Schlossbrauerei. Eine Woche offene Hauptgärung, Nachgärung im Tank sechs Wochen. Die Stammwürze liegt bei 17,3 und der Alkoholgehalt dürfte bei ca. 7,5 liegen.
Es ist ein Bock geworden, und was für einer, der Bock des Brauvereins Unfinden.
Der erste Sud kochte vor ziemlich genau vier Jahren in den alten Gemäuern vor sich hin. Kaum zu glauben in so kurzer Zeit ein so exzellentes Bier zu brauen. Dazu von einer Gruppe, die allesamt gar keine Brauer sind, und die das Brauen nebenher erlernten. Mit welcher Genauigkeit und Hingabe, das ist allerdings bemerkenswert. Schön, was durch Begeisterung alles passieren kann.
Am 3.12. war der Bockbieranstich im Kommunbrauhaus in Unfinden. Meine Erwartungen waren hoch, ich wusste, dass der „Brauverein“ ein leckeres bernsteinfarbenes Vollbier braut, da ich zwei Wochen vorher beim Vorstand kurzerhand vom Kaffee zu eben diesem Bier umschwenkte. Aber nun zum Bock, ich versuche mich zu erinnern: Im Antrunk war er weich, mit schön cremigen Schaum. Ein malziger Körper, der aber nicht wie bei vielen anderen zu „klebrig“ oder „mastig“ wirkt . Bewusst hochvergoren, mit sehr wenig Restsüße für 17,3 % Stammwürze. Es sperrt sich nichts, und wenn dann der Krug endlich vom Mund weg war, musste ich feststellen, dass nach dem ersten Schluck schon fast der Boden vom Krug zu sehen war. Eine leichte Spur von Aroma-Hopfen verbreitet sich im Mund.
Es gibt hopfenbetontere Böcke, es gibt auch jene mit mehr Malzaroma im Geschmack, doch was dieses Bier ausmacht, ist die Ausgewogenheit der Geschmäcker - wie eine feingewuchtete Kurbelwelle läuft das braune Gold die Kehle hinunter, ohne Drehzahlloch von eins bis acht. Man ist niemals überfordert mit der doch üppigen Leistung und kann so noch viele Kilometer zusammen erleben.
Aus einer alten Festschrift ist zu entnehmen: „Gegenwärtig ist auch die Inflationszeit in der man für 500 Mark ein Ei, und für 1700 Mark ein Bier in Unfinden bekommt.“ Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorüber, heute bezahlt man beim Bockbieranstich gerade mal zwei Euro für 0,5 Liter.
Eines ist jedoch gleich geblieben, so war Unfinden beispielsweise in allen Kriegen bei Feinden schon immer sehr beliebt, wussten diese doch, dass die örtlichen Keller immer reichlich mit Wein und Bier gefüllt waren. Heute kommen die Menschen in freundschaftlicher Absicht nach Üfld, und das merkt man dem ganzen Umfeld an. Es wird gern gefeiert und viel gelacht. Das ist wunderbar.
Mehr infos auf www.brauhaus-unfinden.de
Bamberger Bierhistorie: „Wo der beste Hopfen wächst, gibt’s nicht das beste Bier“
Verfasst von Lisa Luginger am 21. Dezember 2011 - 10:59
Passend zu unserem Bier des Monats Oktober wirds auch in unserer Bierhistorie diesmal a weng hopfig: Wir gehen zurück ins Jahr 1839, in dem der Kaiser von China verbietet, Opium in sein Land zu importieren und damit den Ersten Opiumkrieg heraufbeschwört. Wir gehen zurück in das Jahr in dem erstmals der Gebrauch von OK als Abkürzung für oll korrect in der Zeitung Boston Morning Post dokumentiert wird. Und wir gehen zurück in das Jahr, in dem in Augsburg „Die landwirthschaftliche Zeitung als allgemeines Korrespondentenblatt von und für Deutschland“ veröffentlicht wird.
Deren Heraugeber ist Jakob Ernst von Reider, Zoologe, Botaniker und Gutsbesitzer aus Nedersdorf bei Staffelstein, ein Bamberg-Liebhaber und „praktischer Ökonom vieler gelehrten Gesellschaften Mitgliede“, wie er sich selbst beschreibt. Gleich zu Beginn seiner ersten Jahresausgabe beschäftigt er sich mit Hopfen, genauer gesagt „einigen neuen wichtigen Erfahrungen im Hopfenbaue“. Und da gibt er zu aller erst einmal an den Leser weiter: „Das Resultat des Hopfenmarktes in München im verflossenen Jahre hat meine Behauptung bestätigt, dass unser Hopfen ebenso gut ist, als der Böhmische.“ Reider ist nach seinen Nachforschungen sicher: Überall wächst der allerbeste Hopfen, aber nicht überall gibt es das allerbeste Bier. Eine Meinung, die nicht jeder vertritt. Denn Bamberger Hopfen wurde zu dieser Zeit oftmals als minderwertig angesehen. Doch der Gutsbesitzer blieb dabei. Nur schade, dass über seinen folgenden kleinen Hopfen-Versuch nicht mehr dokumentiert ist, als dass er schreibt: „Wir hatten Bamberger Bier mit Böhmer, Spalter und Bamberger Hopfen jedes Mal unter ganz gleichen Verhältnissen gebraut, und beinahe war das mit Bamberger Hopfen gebraute Bier das Beste!“ Was das beinahe bedeutet, muss wohl unserer Phantasie überlassen werden. Doch Bamberg, das sei sicher, beschäftigte den Gutsbesitzer wohl des Öfteren.
Allein auf 21 Seiten in 52 Ausgaben widmete er sich der Stadt an der Regnitz. Mal ging es um Süßholz, mal um rote Rüben, aber immer wieder um den Hopfen und das Bier. So auch in der Ausgabe 44, vom Dienstag, den 29. Oktober. Im Wortlaut: „Die meisten Bamberger Biere haben den Fehler, dass sie zu wenig Hopfen bekommen, daher sind diese Bier im September schon schal und werden bald sauer. Auch das Auffüllen mit dem Hansla (Heinslein, das Nachbier, Anm. d. Red.) veranlasst dieses baldige Sauer- und Schalwerden des Bieres. (...) Allein das Publikum in Bamberg hält fest an seinem Hansla, mit Bier zur Hälfte versetzt, gibt es den berühmten Pflumpf, die Maaß zu einem Groschen, der Labetrunk der arbeitenden Klasse in Bamberg. Man behauptet nämlich, dass das gute Bier zu viel Hitze errege, man dabei zu sehr schwitzen würde, wenn man es bei der Arbeit trinken würde. Dagegen kühle der Pflumpf und sättige doch dabei.“
Ob Jakob Ernst von Reider das nur vom Hörensagen weitergegeben bekommen hat? Es scheint jedenfalls, der Gutsbesitzer, der selbst eine Zeit lang Hopfen angebaut hat, hat sich Bamberg und seinem Bier genauso gern gewidmet, wie wir es heute tun. Dass die Domstadt im späten 19. Jahrhundert für einige Jahre zu einem der bedeutendsten Hopfen-Handelsplätze wurde, konnte Reider allerdings nicht mehr miterleben. Gefallen hätte ihm, dem Hopfen-Narr, das sicherlich...
Was war und was kommt
Verfasst von Jörg Hoffmann am 5. Dezember 2011 - 15:18
Ein Fazit und ein Ausblick: Neue filmische Aufarbeitung von Kommunbrauhäusern und Hausbrauereien auf bierfilm.de
Vor zwei Jahren waren wir mitten drin, schließlich hatten wir einen festen Termin zu erfüllen: Die Rede ist von der Post-Production von „Bamberg - ein Bekenntnis zum Bier“. Die Drehs waren bis auf einige wenige Szenen abgeschlossen und die Aufarbeitung am Schnittplatz war in vollem Gange.
„Bamberg – ein Bekenntnis zum Bier“ wurde am Tag des Bieres 2010 der Öffentlichkeit präsentiert. Bis zum heutigen Tag gab es insgesamt 18 Vorführungen in sieben verschiedenen Kinos, eine Aufführung in einem Weinkeller und eine im Saal einer Gaststätte.
Ende Oktober 2010 war die deutsch/englische Version auf dem Markt.
Bei insgesamt neun offiziellen Verkaufsstellen im Raum Bamberg ist der Film seither zu haben. Zeitgleich lief auch der Verkauf auf bierfilm.de an, im Online-Shop gingen schon Bestellungen beispielsweise aus Kanada, oder Norwegen ein. Unsere Homepage wird im Januar 2012 drei Jahre alt, und freut sich über steigende User-Zahlen.
Anfang April diesen Jahres ging es dann auf US-Tour, in Buffalo und Rochester gab es die ersten englischen Aufführungen über Bamberg und seine Liebe zum Bier.
Der Erfolg und die Zustimmung Vieler treibt uns an. Und was wir festgestellt haben ist, dass in Bier offenbar noch viel mehr Interesse und Emotion stecken, als wir dachten und aus einstigen Kontakten sind schon kleine Freundschaften entstanden. Persönlich konnte ich viel mitnehmen im Bereich des Brauprozesses. Und die unterschiedlichen Wege zur Herstellung eines Sud Bieres begeistern mich. Es wird penibel sauber gearbeitet, von den Einmaischtemperaturen bis in den Gärkeller. Und nur wenn wirklich alles passt, ist es möglich ein Bier anzubieten, das sich von anderen abhebt. Die Auswahl von Hefe, Malz und Hopfen und deren unterschiedliche Kombination scheinen mir unerschöpflich.
Aus Begeisterung entstehen neue Ideen
2012 wird die Sendereihe „Beim Kommunbrauer“ anlaufen. Dokumentationen, die Geschichten von Bier und den Menschen dahinter erzählen - von Windischeschenbach bis Unfinden. Der erste Teil ist schon in Produktion und wird bis Anfang 2012 fertig sein.
Danke für eure Unterstützung.
Hundertvierundvierzig
Verfasst von Jörg Hoffmann am 30. November 2011 - 10:56
144: Das ist der Paragraph, der das Aussetzen des Arbeitslosengeldes zur Folge hat und 144 ist in Österreich die Nummer, die man anrufen sollte, wenn nichts mehr hilft und der Notarzt kommen muss. Aber 144 kann auch schön sein, erquickend und lebendig, mal nach Zitrushopfen schmeckend, mal als Schoko-Stout über die Zunge laufend. Das Gute: ich bin weder sterbenskrank, noch musste ich mich bisher aufs Arbeitslosengeld verlassen. Was bleibt mir also anderes, als mich an Letzterem zur erfreuen?
Mit Sicherheit ist die Nacht der Sieger auf der Brau Beviale in Nürnberg, auf die wir kürzlich die Brauerei Kundmüller aus Weiher begleiten durften, eine der begehrtesten Veranstaltungen der dreitägigen internationalen Messe für Bier und Co. Alle Gewinner-Biere des am Nachmittag vergebenen "European Beerstars" konnten am Abend verkostet werden. Und das waren genau 144.
Was für eine Veranstaltung, wie geil. Das Rahmenprogramm interessiert nicht, genauso wie das Essen, völlig egal. Das einzige, was an diesem Abend für mich zählte, war das in einem Karree in Mitte des Saales aufgebaute, auf Eis liegende Bier. Ich meine das nicht böse, wenn ich Speisen und Drumherum außen vor lasse, doch wo sonst hat man die Möglichkeit 48 verschiedene Biertypen zu verkosten? Und das Ganze dann noch in Bronze, Silber, und Gold.
Lockere Atmosphäre, man kann, muss aber nicht ein ganzes Glas trinken, man hat es selbst in der Hand, wie viel von welchem Bier man probieren möchte. Kleine Gläser stehen neben den Bieren zum selbst Einschenken bereit. Und ich habe viel probiert: vom hellen Weizenbock bis zum IPA. Anders als sonst ließ ich die fränkischen Biere diesmal aus, wohlwissend, dass mein Durst irgendwann nachlässt und ich diese leichter nach Hause bekomme als beispielsweise ein Stout aus Neuseeland.
Wir drehten auf der Brau Beviale, der Verleihung des "European Beerstars" und auf der Nacht der Sieger für die Brauerei Kundmüller, die dieses Jahr noch mehr Preise abräumte als in Vergangenheit (Gold für das Weiherer Keller und Bronze für den Weiherer Bock) und zudem als höchste Anerkennung überhaupt den "Consumer’s Favourite" in Bronze (fürs Weiherer Keller) mit nach Hause nahm. Die Auszeichnungen "European Beerstar" gilt dabei als eine der ehrlichsten Auszeichnungen der Branche, da die Biere zuvor blind verkostet wurden und so den Einfluss der ein oder anderen Brauerei ausschließen. Für die Veranstalter, die Privaten Brauereien Bayern in Kooperation mit der Association of Small and Independent Breweries in Europe (S.I.B.) hoffe ich, dass das Konzept genau so bleibt wie es heuer war, denn ich denke, es gibt kaum etwas zu verbessern.
Bis zum nächsten Mal auf der Brau!
Hundertvierundvierzig, was für eine fantastische Zahl.
Bier des Monats Oktober
Verfasst von Jörg Hoffmann am 31. Oktober 2011 - 21:23
Nach einer kleinen Sommerpause zum Bier des Monats melde ich mich mich mit einem eindrucksvollen Bier zurück – dem Freudenecker Bockbier. Ein wirklicher Genuss, den ich in Worten nur schwer beschreiben kann, ich probiers trotzdem.
Hier die Fakten:
16,2 % Stammwürze und 6,8 % Alkohol machen dieses Bier zum Bock.
Gebraut mit Pilsner Malz und CaraPils von der Bamberger Mälzerei.
Doch was macht dieses Bier zum Bier des Monats? Feinporiger Schaum, cremig und weich, ein Schaum bei dem man nicht gleich das Flüssige darunter vermisst. Der Schaum steht lange im Glas. Der Geruch ist dieser typische, bei ehrlich gebrauten Bieren: gehaltvoll und nach Getreide, untergärig kalt vergoren.
Im Antrunk macht sich im gesamten Mund ein starkes angenehmes Prickeln breit. Kurz danach kommt der sehr gehaltvolle, malzige Körper in den Vordergrund, und dann liebe Bierfreunde, dann knallts ordentlich. Lange noch nach dem Schlucken, verbreitet sich ein Hopfen-Aroma, das ich so bei einem fränkischen Bier noch nicht erlebt habe. Das Aroma erinnert eher an ein IPA, weniger an ein Bier aus dem Bamberger Umland. Es scheint, als wäre der Abgang eine einzige Hopfen-Sinfonie.
Die Mischung aus den Sorten Tradition und Select ist bei diesem Bier genial, genial für alle die, die einen ausgeprägten Hopfen-Geschmack mögen. Und hier trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen: Diese beiden Aroma-Hopfenssorten aus Spalt und der Holledau haben nichts mit dem zu tun, was die Allgemeinheit unter Hopfenbittere versteht und in Brauereien wie Jever oder Becks seinen Absatz findet. Ein Vergleich macht daher auch keinen Sinn. Genau wie ein Toastbrot nichts mit einem Sauerteigbrot aus dem Holzofen zu tun hat.
Dass Bockbiere ihr "mehr an Süße" durch eine extra Gabe an Hopfen ausgleichen können, ist bekannt. In einer solch gelungenen Abstimmung allerdings ist der Freudenecker Bock 2011 mit Sicherheit einzigartig. Eine Delikatesse!!
Erhältlich in 5 Liter Party Dosen, im Fass, und als Liter-Flaschen in der Brauerei Fischer in Freudeneck.
Vom Schwein, vom Bier, von Üfld
Verfasst von Lisa Luginger am 15. Oktober 2011 - 17:20
Um 4.45 Uhr in der Früh aufzustehen ist nichts, was mir wirklich einfach fällt. Ich bin Langschläferin und das aus Leidenschaft. Doch an diesem Morgen war mir der Wecker egal. Denn ich wusste, dass das, was ich an diesem Tag erleben werde, wohl nicht mehr so oft vorkommen wird.
Eine Stunde später standen Jörg und ich vor dem urigen Gebäude im kleinen Dörfchen Unfinden bei Hassfurt, dem Gebäude, um das herum wir uns die nächsten zwölf Stunden aufhalten sollten. Wer das erste mal auf den Bau inmitten der kulissenträchtigen Fachwerkhäuschen schaut, erkennt sofort, mit wie viel Liebe die um 1670 erbauten Gemäuer vom Förderverein Brauhaus Unfinden (http://www.brauhaus-unfinden.de) vier Jahre lang renoviert worden sind. 2004 gründete Christian Hey mit einer handvoll Begeisterter den Verein, der bis heute auf 75 Mitglieder beschränkt ist.
Das Ziel: Das einsturzgefährdete Haus so zu sanieren, dass darin auf kommunbrauart Bier hergestellt werden kann und somit die alte Tradition wiederbelebt wird. Und das Unternehmen war erfolgreich: Vier bis fünfmal im Jahr wird seit der Eröffnung im Jahre 2008 gebraut, an diesem Tag aber mit einer Besonderheit – einer Hausschlachtung, wie sie im 21. Jahrhundert fast ausgestorben ist. Also ein Muss für uns Bierfilmer, solch eine früher für die fränkische Kultur typische Veranstaltung mit Kameras, Kran und Co. mitzunehmen.
Auf nähere Einzelheiten des Schlachtvorgangs werde ich an dieser Stelle verzichten. Nur so viel: Wer sah, wie die Vereinsmitglieder den zwar anfangs ein wenig müden, dafür aber ordentlich gut gelaunten Metzger Michael Ruck, unterstützten, weiß, mit welch gemeinschaftlichen Gedanken das Vorhaben in die Tat umgesetzt wurde. Auf professionelle Art und Weise, versteht sich. Davon konnte sich auch Fleischbeschauer Hubert Hierling überzeugen, mit dem wir uns kurzerhand über seinen „vom Aussterben bedrohten“ Beruf unterhielten.
Während das Schwein so langsam im Kochtopf zum Kesselfleisch siedete, wurden die Stehplätze im Brauhaus nebenan rar. Kein Wunder: Erstens gab es den letzten Sud Festbier zu kosten und zweitens konnte den Brauern bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut werden. Was natürlich auch wir taten. Frank Fischer kommentierte jeden seiner Arbeitsschritte für die Kamera, wo andere kaum ein Wort herausbekommen, der Frank, der zeigte, was er kann. Er ist einer von fünfen, die sich von Georg Merklein (Schlossbrauerei Reckendorf) zum Bierbrauer ausbilden ließen. Merklein ist es übrigens auch zu verdanken, dass im Brauhaus überhaupt Sudkessel und Co. stehen. Es ist die Anlage, auf der er schon zig Jahre zuvor gelernt hat. Schön, ihn, den begeisterten Unterstützer vom Brauhaus auch an diesem Tag zu treffen und im Interview über Tradition, Brauen und Üfld, wie die Einheimischen zu Unfinden sagen, zu sprechen.
Und so vergingen die Minuten und die Stunden. Und am Ende waren wir die letzten, die das Brauhaus verließen. Wir verließen es mit drei Momenten, die wir neben vielen anderen sicherlich nicht vergessen:
- Der Anblick ganz junger Mädels, die wie, als ob es das normalste der Welt wäre, Kesselfleisch aßen und klein schnitten, und uns sagten: Klar wissen wir, dass das Schwein vorhin getötet worden ist, das ist nicht schön, aber wir essen das hier trotzdem. Frage: Wie viele Kinder machen das heute noch?
- Christian Dempf, der extra mit dem Zug aus München angereist ist, weil er vom Brautag gelesen hat. Frage: Wann reist ein MÜNCHENER wegen des Bieres nach FRANKEN und gibt das auch noch zu?
- Martin Scherer (schererlied.de), ein Liedermacher, versammelte bei untergehender Sonne die Unfindener um sich und sang mit ihnen sein eigens für Üfld geschriebenes Lied. Frage: Wo sonst ist eine Dorfgemeinschaft in Sachen Bierbrauen, Tradition und Zusammenhalt so (positiv) verschworen, wie in Unfinden?
Danke an euch Üflder für den tollen Drehtag. Wir freuen uns schon auf euren Bockbieranstich.
Bockbieranstiche 2011
Verfasst von Dominik Mantel am 14. Oktober 2011 - 16:39
Endlich ist es wieder soweit!! Die Temperaturen sinken allmählich und der Stammwürze- und Alkoholgehalt im Bier steigt.
Jawohl, die Bockbieranstiche stehen an! Die Brauer in Bamberg und Umgebung haben sich wieder ins Zeug gelegt, um uns ein wohlschmeckendes Bockbier ausschenken zu können. Der Eine bevorzugt ein Massenspektakel wie es in so mancher Bamberger Brauerei stattfindet, der Andere freut sich auf die etwas kleineren und geselligeren Anstiche auf den Dörfern im Umland.
Aber im Mittlepunkt steht zum Glück ja immernoch das Bier, das es zu genießen gilt!
Hier eine Übersicht aller Anstiche in den kommenden Wochen:
24.09.2011 (Sa) Diller Keller - Hallstadt / Dörfleins (Hönig Bier)
30.09.2011 (Fr) Schlossbrauerei - Reckendorf
03.10.2011 (Mo) Gaststätte Tambosi - Bamberg
06.10.2011 (Do) Schlenkerla - Bamberg
07.10.2011 (Fr) Brauerei Keesmann - Bamberg
07.10.2011 (Fr) Brauerei Fischer - Freudeneck
14.10.2011 (Fr) Mahrs Bräu - Bamberg
15.10.2011 (Sa) Brauerei Höhn - Memmelsdorf
15.10.2011 (Sa) Kundmüller - Weiher
15.10.2011 (Sa) Brauerei Zur Sonne - Bischberg
21.10.2011 (Fr) Brauerei Hönig - Tiefenellern
21.10.2011 (Fr) Klosterbräu - Bamberg
21.10.2011 (Fr) Bamberger Weissbierhaus (3-fach Anstich)
21.10.2011 (Fr) Brauerei Sauer - Roßdorf/Forst
21.10.2011 (Fr) Brauerei Göller - Drosendorf
21.10.2011 (Fr) Schwanawirt (Weihnachtsbock) - Burgebrach
29.10.2011 (Sa) Brauerei Müller - Debring
29.10.2011 (Sa) Brauerei Göller - Zeil
04.11.2011 (Fr) Brauerei Kraus - Hirschaid
05.11.2011 (Sa) Brauerei Hummel - Merkendorf
05.11.2011 (Sa) Schmittbräu - Schesslitz
05.11.2011 (Sa) Brauerei Wagner - Kemmern
05.11.2011 (Sa) Brauerei Reh - Lohndorf
11.11.2011 (Fr) Löwenbräu - Buttenheim
11.11.2011 (Fr) Brauerei Wagner - Merkendorf
12.11.2011 (Sa) Brauerei Ibel - Burgwindheim
12.11.2011 (Sa) Brauerei Will - Schederndorf
16.11.2011 (Mi) Brauerei Grasser - Huppendorf
17.11.2011 (Do) Brauerei Greifenklau - Bamberg
18.11.2011 (Fr) Brauerei Sonnenbräu - Mürsbach
18.11.2011 (Fr) Brauerei Drei Kronen - Scheßlitz
19.11.2011 (Sa) Brauerei Seelmann - Zettmannsdorf
24.11.2011 (Do) Ambräusianum - Bamberg
25.11.2011 (Fr) Brauerei Hennemann - Sambach
26.11.2011 (Sa) Hausbräu - Stegaurach
26.11.2011 (Sa) Brauerei Griess - Geisfeld
03.12.2011 (Sa) Historisches Kommunbrauhaus - Unfinden
16.12.2011 (Fr) Brauerei Zehendner - Mönchsambach
Passend zum Thema noch ein kurzes Lied von dem "Frankenbarden":
http://www.youtube.com/watch?v=Pabs_Db7kyI
Cafe Abseits: Bockbieranstich Gänstaller-De Molen-Narke/Europa Bier Elevator
Verfasst von Martin Fischer am 6. Oktober 2011 - 11:49
Am 29. September hatte ich das große Vergnügen bei spätsommerlichem Ambiente im Garten des Cafe Abseits, in Bamberg, ein paar ausgezeichnete Biere zu verkosten. Noch besser war natürlich, zwei absolute Bier-Experten am Tisch zu haben. Zum einen Gerhard Schoolmann vom Cafe Abseits, zum anderen Biersommelier und Gründer der Fränkischen Bierakademie Johannes Schulters. Mir war natürlich klar, dass meine Geschmackssinne bei zwei solch erfahrenen Gaumen nicht ganz mithalten konnten. Aber darum ging es ja auch letztendlich gar nicht. Es ging hauptsächlich darum, den Elevator Doppelbock zu probieren.
Hier die Fakten:
Gänstaller-De Molen-Narke / Europa Bier Elevator
Doppelbock
22% Stammwürze
9,5% vol.
Gebraut von:
Menno Oliver / De Molen Brauerei, Niederlande
Hans-Göran Wiktorsson / Märke Kulturbryggerie, Schweden
Andreas Gänstaller / Gänstaller Bräu, Schnaid, Deutschland
Beschreibung (aus Laiensicht):
Dieses Bier macht seinem Namen Elevator (deutsch: Aufzug) alle Ehre. Schon beim ersten Schluck konnte man sehr viele unterschiedliche, kurzfristige Geschmackseindrücke feststellen. Und das in rasantem Tempo. Vergleichbar mit einem Aufzug (Elevator), der Stockwerk für Stockwerk nach oben schießt, bis er an seinem Ziel angekommen ist. Ein zitrusartiger, blumiger Geschmack. Sehr süffig, nicht süß, für einen Doppelbock leicht zu trinken. Der Name Elevator kommt aber natürlich nicht vom Aufzug sondern vom Hopfen, der ja bekanntlich nach oben wächst.
Hier die weiteren verkosteten Biere:
- Brauerei Fischer, Greuth / Bock
- Silver City Brewery, Silverdale, USA / Indianola Pale Ale
- Silver City Brewery, Silverdale, USA / Whoop Pass Double Indian Pale Ale
- Schneider Weisse, München / TAPX Mein Nelson Sauvin
Vielen Dank noch mal an dieser Stelle an Gerhard Schoolmann für die leckeren Biere. Und wenn ihr auch mal Lust auf ausgefallenere Biere habt, die nicht unbedingt üblich für den fränkischen Gaumen sind, ein Besuch im Cafe Abseits lohnt sich. Die monatlich wechselnde Bierkarte spricht für sich.
P.S. Es gibt natürlich auch jede Menge fränkische Biere.
Prost!
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